Über Chis

Welche Ansprüche hat ein Chihuahua?

Viele Leute sind ja der Ansicht, so ein kleiner Hund braucht doch kaum Auslauf. NEIN, dem möchte ich hier widersprechen. Ein Chihuahua benötigt trotz seiner geringen Größe Sommers wie Winters täglichen Auslauf von mindestens 1 - 2 Stunden an Stück, um gesund und fit zu bleiben. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass er mit “kurzem Lüften” artgerecht gehalten ist. Ein ausgewachsener Chihuahua von normaler Größe ist in der Regel ein Energiebündel, der als ausgewachsener Hund problemlos sogar mehrere Stunden Wanderungen mitlaufen kann. Sicher wird er nicht gleich ausflippen, wenn man mal einen Tag weniger Zeit zum Auslauf hat, doch wer generell nicht gerne (acuh bei schlechtem Wetter) spazieren geht, oder nicht gut zu Fuß ist, sollte sich lieber für eine weniger temperamentvolle Rasse wie Pekinese oder Mops entscheiden.

Ein Chihuahua ist sehr menschenbezogen und benötigt daher engen Kontakt zu seinen Menschen. Generell bin ich der Ansicht, dass man bei Vollzeittätigkeit keinen Hund halten sollte, schon gar nicht einen Chihuahua und einen Chihuahuawelpen erst Recht nicht. Länger als 4 -5 Stunden sollte ein Einzelhund in der Regel nicht sich selbst überlassen sein.

Chihuahuas sind sehr intelligent und dem sollte auch bei der Erziehung Rechnung getragen werden. Er wird sich sehr viel wohler fühlen, wenn Sie ihn auch geistig fordern, z.B. indem Sie ihm Grundgehorsam oder kleine Kunststücke beibringen, oder mit ihm Miniagility oder Fährtensuche betreiben, aber bitte nicht zu verbissen, denn es soll ja in erster Linie dem Hund Spaß machen und nicht Ihren Ergeiz befriedigen.

Was zeichnet den Chihuahua aus?

Das besondere am Chihuahua ist, dass er trotz seiner geringen Größe, ein vollwertiger Hund ist, eben ein ganzer Hund in Kleinausgabe. Sein Vorteil ist die geringe Größe, denn dadurch kann man ihn bequem überall hin mitnehmen und so ein “Kleiner” ist selbst bei Leuten, die Hunde sonst nicht so mögen, gern gesehen.

Ein Chihuahua kann es locker mit jedem "großen" Hund in puncto Treue, Anhänglichkeit, Schlauheit, Sportlichkeit, Wachsamkeit, Verschmustheit, Verspieltheit etc. aufnehmen. Mit seiner geringen Größe ist ein Chihuahua der ideale Begleiter (Auto, Bahn, Flugzeug, Restaurant, Hotel), ein optimaler Stadt- und Wohnungshund (mit entsprechendem hundeblichem Auslauf selbstverständlich!), der sich natürlich auch auf dem Land mit Garten wohlfühlt.

Richtig sozialisiert (das gilt für alle Rassen) verträgt er sich mit jedermann und Tier und der Chihuahua wird sicherlich nie unter den Maulkorbzwang fallen.

Ein Chihuahua neigt nicht zum Streunen oder Wildern, in der Wohnung verhält er sich ausgesprochen ruhig und angenehm (wenn er sonst ausgelastet wird), er ist kein Kläffer (er bellt nicht grundlos, allerdings ist er ein ausgezeichneter Wachhund, da sehr hellhörig und sehr revierbezogen, d.h. er schlägt an, auch wenn wir nichts hören oder sehen, ist danach aber wieder ruhig), leicht erziehbar und gehört zu den langlebigen Hunden: im Durchschnitt werden sie 12 - 15 Jahre alt, doch auch 17, 18 Jahre sind keine Seltenheit, selbst das zwanzigste Lebensjahr haben einzelne Exemplare schon erreicht und überschritten, wobei diese dann Ausnahmen sind. Aufgrund seiner geringen Größe ist es auch problemlos, ihn zu zweit oder dritt zu halten, was er ganz besonders schätzt, da er sehr rudelbezogen ist. Dies eröffnet dann sogar teilzeitschäftigten Menschen die Möglichkeit, Hunde zu halten. Allerdings sollte man immer einen Hund nach dem anderen anschaffen und jeden einzeln erstmal gut erzogen haben (was 1 - 2 Jahre dauert), bevor man einen weiteren Hund anschafft, denn sonst sind arge Schwierigkeiten vorprogrammiert. Es gibt ihn in Kurz- und Langhaar und in allen erdenklichen Farben und Zeichnungen.

Was mir besonders am Chihuahua gefällt, ist die Tatsache, dass er eine der wenigen naturbelassenen Rassen ist, d.h. er wird weder kupiert, getrimmt noch geschoren. Selbst die Langhaarigen sind recht pflegeleicht (1 x pro Woche 5 Minuten durchkämmen genügt). Er ist harmonisch proportioniert. Das erklärt sich für mich daraus, dass der Chihuahua immer schon eine kleine Rasse war, die nicht wie die meisten Kleinhunde innerhalb weniger Generationen von Normalgröße auf Mini, meist durch Inzucht heruntergezüchtet wurde, oder durch Gendefekte z.B. verkürzte Beinchen (Dackel, Pekingese, ...) im Verhältnis zum Körper angezüchtet bekommen haben.

Entgegen anderen Rassen - hat er sich auch eine erstaunlich hohe Genvielfalt und damit Vitalität erhalten. Dies liegt wohl mit daran, dass sämtliche Farbschläge und beide Haararten miteinander verpaart werden, die Größenskala einen enormen Spielraum zulässt und keine unsinnige Selektion auf Fehlfarben stattfindet, außerdem war er bis vor einiger Zeit nie wirklich “Modehund”, er unterlag einer natürlichen Auslese, da er vermutlich halbverwilderte, als die Inkas ausstarben und bei Indiobauern ein keineswegs verzärteltes Schoßhündchenleben führte, sondern im Gegentiel auf Mäuse- und Ungezieferjagt ging und dem harten kargen Klima Mexicos ausgesetzt war. Leider ist aber in den letzten Jahren dank Paris Hilton & Co., Chihuahualied, und Chihuahuafilm der Chihuahua zum Modehund avanciert, dies ist keiner Rasse zuträglich und ich hoffe, dass die Rasse nicht allzugroßen Schaden nimmt, bevor der Boom wieder abebt.

Aufgrund dessen ist er bislang auch von Erbkrankheiten weitestgehend verschont geblieben, wenngleich es auch einige typischen Probleme aller Kleinhunderassen bei ihm geben kann, wie Patellaluxation, persistierende Milchzähne, Zahnstein und daraus resultierender frühzeitiger Zahnverlust, Mitralklappeninsuffizienz im Alter.

Chihuahuas fühlen sich in der Regel im Rudel sehr wohl und geniesen vor allem den Umgang mit ihresgleichen. Chihuahuas erwarten sich Respekt von fremden Hunden, wer ihnen zu aufdringlich oder rüpelig kommt, bekommt dies lauthals mitgeteilt, wodurch er oft als Kläffer abgestempelt wird. Doch gibt man ihm Gelegenheit Kontakt aufzunehmen und ein Stück gemeinsamen Weges zu gehen, reichen ganz wenige Minuten und der Angefeindete (sofern er sich höflich verhält) wird sofort ins Rudel integriert. Wichtig ist hier auch die Erziehung. Er sollte immer gelobt werden, wenn er sich freundlich gegenüber anderen Hunden zeigt und rechtzeitig abgelenkt und auf Distanz bebracht werden, wenn er sich anmacht, einen Hund anzubellen.

Aufgrund seiner geringen Größe ist es für Chihuahuas durchaus gefährlich im wilden Spiel mit größeren Hunden zu toben, einmal unter die Pfoten eines kräftigen Hundes geraten, kann es leicht zum Knochenbruch oder gar Tod kommen. Deshalb sollte man solche Spiel tunlichst nicht zulassen. Auch ohne Verletzungen kann so ein wildes Spiel mit viel zu großen Partnern zu sehr negativer Sozialisierung mit Hunden führen, wobei ein einziges derartiges Erlebnis im Junghundalter ausreicht, um zeitlebens andere Artgenossen abzulehnen. Sie sollten es sich daher sehr schnell angewöhnen, beim Gassigang immer ihr Radarsystem einzuschalten, d.h. nach allen Seiten die Umgebung scannen und jederzeit bereit sein, rechtzeitig einzugreifen und auf Distanz zu gehen und vor allem sogenannte “der tut nichts”-”der will nur spielen”-Hunde zu meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Diese Hunde sind in aller Regel ungestüm und nicht erzogen, ansonsten würden die Halter statt dieser Sprüche nämlich kurz und effektiv ihren Hund an ihre Seite rufen und damit belegen, dass ihr Hund tatsächlich nichts tut.

Wenn ein Chihuahua einmal erlebt hat, dass beim Spiel mit größeren Hunden dabei den Kürzern zieht, dabei muss keine Verletzung enstanden sein, es genügt, wenn ein so kleiner Hund so stark bedrängt wird (z.B. gehetzt), dass er massiv Angst verspürt, wird er sehr schnell lernen, sich durch Kläffen aufdringliche Artgenossen vom Halse zu halten. Vermeiden Sie also Begegnungen mit allzu aufdringlichen verspielten, größeren unerzogenen Artgenossen und suchen sie mehr Kontakt zu ruhigen fürsorglichen Artgenossen (die durchaus auch sehr groß sein dürfen), rennen und spielen ist nur mit Hunden angemessener Größe/Gewicht (max. 5 kg) zu empfehlen!!! Gerade der Hinweis von Haltern, “der will nur Spielen”, sollte Sie zu äußerster Vorsicht veranlassen, denn in der Regel haben solche Halter keinerlei Kontrolle über ihren Hund, sie können ihn also im Ernstfall nicht abrufen! Ein erzogener Hund orientiert sich immer nach seinem Halter und ist von ihm lenkbar (was man schon vor der Begegnung beobachten kann), ein solcher Hund wird sich langsam und bedächtig nähern und souverän gegenüber den kleineren Chis auftreten, ohne sie zu bedrängen, auch wird er aufgrund der Körpersignale verstehen, dass der Chi Distanz einfordert und sich daran halten. Ist der Halter rücksichtsvoll, ist es auch der Hund, erwarten sie also keine Rücksicht von Haltern, die ihren Hund voll Carajo zu jedem Hund hinrennen lassen, damit er spielen kann! Verlassen Sie sich auf sich selbst, seien Sie aufmerksam und halten Sie in solchen Situationen selber Distanz, bleiben dabei aber immer cool und lassen keine Panik aufkommen!

Auf den Arm nehmen oder nicht? Das ist oft die Frage. Generell gibt es keinen Grund, den Chi jedesmal auf den Arm zu nehmen, sobald ein anderer Hund am Horizont auftaucht, so kann er nicht lernen, mit Artgenossen klar zu kommen, denn die meisten Hunde sind wirklich nicht gefährlich. Aber es gibt durchaus Situationen, wo es die einzige Möglichkeit ist, Schlimmeres zu verhüten. Nämlich dann, wenn eine Situation plötzlich außer Kontrolle gerät und ein Chi regelrecht pansich reagiert und z.B. Fluchtverhalten zeigt, in Todesangst schreit etc. und unangeleint davon rennen würde, wenn er von einen großen Hund gehetzt wird. Oder wenn ein bereits bekanntermaßen unsozialer Hund angeschossen kommt.

Wichtig ist, dass man es richtig macht. Hat man einen Hund auf dem Arm, darf man diesem niemals die Gelegenheit geben, von oben herab andere Hunde auch nur anzuschauen. Anschauen von oben wird von den untenstehenden Hunden unter Umständen oftmals als massive Provokation angesehen und löst nicht selten schwere Beißvorfälle aus. Ebenso ist natürlich jede aggressive Reaktion vom Arm herunter ein Grund, den Chi sofort wieder auf den Boden zu setzen, dann aber so, dass man ihn abgewandt vom anderen Hund mit eigener Rückendeckung möglichst weit entfernt absetzt und zwar so, dass sich die Hunde erstmal nicht anschauen können. Es ist also ratsam, niemals mit einem Chi am Arm stehen zu bleiben vor einem anderen Hund oder gar den anderen Hund dann den Chi am Arm anschnuppern zu lassen, ebenfalls darf man sich nicht über andere Hunde beugen, wenn man einen Hund am Arm hat. Die Hunde müssen dafür immer auf Augenhöhe sein, daraus erklärt sich auch z.B. warum viele kleine Hunde beim Anschnuppern von großen Hunden aggressiv reagieren, es ist eben das von oben herabschauen, dass die Aggression auslösen kann, wobei es da auch drauf ankommt, wie geschaut wird (anstarren/fixieren oder vorbeischauen).

Für wenn ist der Chihuahua geeignet, für wenn nicht?

Im Grunde genommen für jedermann, speziell für Menschen in kleinen Wohnungen und für Reiseaktivisten, da man ihn ja problemlos sogar im Flugzeug und den meisten Hotels mitnehmen kann und für Menschen, die einen besonders anhänglichen, verschmußten Begleiter lieben. Er ist genauso für aktive Menschen, als auch für ruhigere Personen geeignet, für Einzelpersonen als auch für Familien, denn er passt sich seiner Umwelt an. Außerdem ist er ein hervorragender Wachhund!

Nicht geeignet, für Menschen, die nicht genügend Zeit haben, z.B. ganztags berufstätig (siehe hierzu http://www.chihuahua.de/Ratgeber/Hund___Beruf/hund___beruf.html) sind, keine Lust auf tägliche Spaziergänge bei jedem Wetter haben, nicht gerne schmusen und Hundehaare auf dem Sofa oder sonst wo in der Wohnung oder an der Kleidung nicht leiden mögen (er haart zweimal im Jahr, auch der Kurzhaar). Nicht geeignet für Leute, die ihren Hund nicht als Partner, sondern eher als Werkzeug (Schutzhund) oder “nur” als einen Hund sehen oder der Ansicht sind, ein Hund muß “hart” erzogen werden. Mit “nur” meine ich, dass ein Hund als Familienmitglied betrachtet werden sollte, der auch seine Rechte und Bedürfnisse hat, die allerdings anders sind, als die von Menschen. Wer große Hunde haßt oder Angst vor ihnen hat, sollte sich ebenso keinen Chihuahua zulegen, da man auf den täglichen Spaziergängen ständig mit großen Hunden konfrontiert wird und die eigene Angst sich auf den Chi garantiert übertragen wird.

Ein Chihuahua gehört zu den sehr intelligenten Hunderassen und kann sowohl die Begleithundeprüfung als auch Mini-Agility machen, als ausgebildeter Therapiehund wurde er jüngst in einer Zeitschrift aufgrund seiner Gelehrigkeit besonders empfohlen, ebenso ist er für Fährtensuche oder Mantrail geeignet, wenn man keine Spitzenleistung einfordert, sondern dies als artgerechte Beschäftigung für den Hund ansieht. Er kann einen beim ausgiebigen Wandern und Joggen begleiten, sofern er nicht gerade einer der eher sehr kleinen Vertreter der Rasse ist (also weit unter 2kg). Allerdings sollten Familien mit sehr kleinen Kindern eher einen Chihuahua mit einem Endgewicht von 3 kg und darüber zu sich nehmen und vor allem darauf achten, dass sie einen kinderfreundlichen Welpen (Prägung) auswählen. Kinder sollte man grundsätzlich niemals unbeaufsichtigt lassen, in Gegenwart von Hunden, das gilt auch beim Chihuahua.

Selbstverständlich sind dem Chihuahua aufgrund seiner geringen Größe auch Grenzen gesetzt, so z.B. wird er als leistungsbringender Schutz-, Jadg- oder Katastrophenhund nicht einsetzbar sein.

Alleinstehende Menschen sollten sich vor Anschaffung überlegen, wie und wo ihr Hund bei ihrer Krankheit oder Abwesenheit versorgt wird. Zu bedenken ist dabei auch, dass der Chihuahua bis zu 20 Jahre alt werden kann, also langfristig planen. Was ist z.B. bei Jugendlichen, wenn sie berufstätig werden, Studenten, die dann im Job einen 14 Stundentag haben, wer kümmert sich dann um den Hund? Oder bei alten Menschen, wer kümmert sich, wenn ich mal nicht mehr bin? Auch Teilzeittätige sollten sich fragen, ist es machbar, dass ich im Falle, dass mein Hund krank wird, spontan Urlaub nehmen kann?

Weitere Fragen:

  1. Was kostet ein Chihuahua in der Anschaffung-
    oder Geld verdienen mit Hundezucht???

     
  2. Was kostet ein Chihuahua im Unterhalt?