MERLE

Warum keine Merle-Chihuahuas?

Zur Problematik Merlezucht habe ich hier einige Informationen zusammengetragen. Mir ist wichtig, dass klar wird, dass es hier nicht darum geht, ob man die Farbe/Musterung Merle schön oder nicht schön findet, sondern dass Merle ein erhebliches gesundheitliches Risiko für die Rasse Chihuahua bedeutet, die man weder als Züchter noch als Käufer ignorieren sollte.

Alle drei den Chihuahua betreuenden Vereine im VDH haben nach intensiver genetischer Beratung beschlossen, Merle-Chihuahuas nicht zur Zucht zuzulassen. Ebenso hat sich der Schweizerische Zwerghunde-Club entschlossen, keine Merle-Chihuahuas zur Zucht zuzulassen. Auch der AKC Amerika erkennt keine Merle-Chihuahuas an, siehe unter Merle “do not buy” Punkt 7. auf dieser Seite: http://www.tanyastoys.com/donotbuy.htm

Welche Folgen es für die Rasse Chihuahua hat, wenn ein fremde Rasse eingekreuzt wird, die Merle-Gen-Träger ist, kann man auf dieser HP sehen:

 http://www.kandeechihuahuas.com/merles/ftlowille.html.

Diese Züchterin hat die Merlezucht aufgegeben, weil es zu viele Probleme gab, sie hat ihre Entscheidung jemals Merle zu züchten, sehr bereut und warnt jeden davor, ähnliche Experimente zu machen. Auf der Seite sieht man mehrere übergroße Merle-Chihuahua(Mixe), sowie Welpen, die blind und taub geboren wurden, ein Welpe (vorletztes Bild) ist sogar ohne Auge geboren. Die Merlechihuahuas scheinen für Demodex-Milbe empfänglich zu sein, was auf eine angeborene Immunschwäche schließen lässt. Alle Recherchen in den Ahnentafeln von Merle-Chihuahuas führen letztendlich alle in den Staat Califonienf zurück auf einen bestimmten Rüden “Teto-Chico”, der selber kein Merle-Chihuahua war und auch seine Eltern und vier Großeltern waren keine Merles. Da Merle nur entsteht, wenn ein Elternteil selber auch Merle ist, dürfte ziemlich sicher sein, dass der in den Ahnentafeln vermerkte Teto-Chico, nicht der Vater des ersten Merle-Welpen sein kann. Ein Gentest zum Nachweis der Vaterschaft wurde nie gemacht! Erstaunlich ist auch, dass nirgend wo anders auf der Welt jemals Merle-Chihuahuas aufgetaucht sind, denn alle Merle-Chis in anderen Ländern gehen sämtlich letztendlich auf Teto-Chico zurück. Auf der HP ist ein Übersetzungsprogramm installiert.

DAS SIND DIE FOLGEN VON MERLE-Zucht: http://www.ashgi.org/color/eyedefects.htm und http://www.aussielads.com/.

Der Genetiker und Buchautor (Genetik der Hundezucht und Züchtung des Hundes) Malcom B. Willis hat einen Artikel über das Merlegen beim Chihuahua geschrieben,den Sie hier nachlesen können:

http://www.tanyastoys.com/drwillis.htm

Der Artikel ist leider nur in englisch. Er gibt aber in allen Punkten genau das wider, was von allen Merlekritikern bislang verlautet wurde und von allen Genetikern auch bestätigt wird.
Ich hoffe, dass wenigstens dieser Artikel eingeschworene Merlefans zum Nachdenken bringt. Mr. Willis ist wohl einer der anerkanntesten Hundegenetiker weltweit, zudem züchtet seine Frau Chihuahuas.

Anlässlich der 1. Züchtertagung des CKD am 1. April 2004 habe ich die nachfolgende Abhandlung verfasst und den Züchtern zur Diskussion gestellt. Frau Dr. Petri (Tiermedizinische Hochschule Hannover) hat in ihrem Referat exakt dieselben Bedenken gegen die Merlezucht beim Chihuahua geäußert. Während der Züchtertagung wurde vom Zuchtbuchführer verkündet, dass die Verpaarung mit Merlechihuahuas in den drei Chihuahua-betreuenden Vereinen im VDH nicht zur Zucht zugelassen werden werden. Die absolute Mehrheit der Züchter hat diese Entscheidung begrüßt.

Besondere Problematik der Merlezucht beim Chihuahua ?

Seitdem ich vom Auftreten von Merletieren beim Chihuahua Kenntnis bekam, habe ich intensiv in Literatur und Internet recherchiert und möchte meine Erkenntnisse gerne zur Diskussion stellen. Ich habe versucht, aus dem manchmal doch schwer verständlichen Fachchinesisch die Dinge herauszuziehen, die mir wesentlich erscheinen und versucht, sie für mich verständlich zusammenzufassen. Da ich weder Experte noch allwissend bin, wäre ich dankbar, wenn die heute zum Züchterseminar des CKD geladenen Experten ggf. kritisch, ergänzend oder korrigierend kommentieren würden, damit am Ende der Diskussion für alle Teilnehmer einiges klarer wird.

Nachdem ich mich als Züchter über die doch relativ einfache Vererbungsregel des Merlegens (siehe mein Beitrag im Klubblättle) informiert hatte, entstand bei mir zunächst der Eindruck, dass eigentlich die Merlezucht für den informierten Züchter kein Problem darstellen dürfte, sofern man bei der Verpaarung berücksichtigt, dass nicht zwei Merlegenträger verpaart werden. Für mich selber hab ich allerdings die Merlezucht stets abgelehnt, allein schon, weil mich die Farbe rein ästhetisch nicht anspricht, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Je mehr ich mich aber mit der Merlezucht in Theorie befasse, desto weniger komme ich zu dieser Erkenntnis. Denn beim Chihuahua scheint mir das alles gar nicht soooo einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Dadurch, dass wir beim Chihuahua eine wesentlich grössere Palette an Farben und Mustern haben als in den meisten anderen Rassen, ergeben sich meiner Meinung nach in Kombination mit dem Merlegen doch erhebliche Unwägbarkeiten.

In den klassischen Merlerassen wie Collie, Sheltie, Dogge etc. hat man von je her darauf geachtet, dass bestimmte Farben/Muster erst gar nicht zur Zucht zugelassen werden oder zumindest die Verpaarung bei bestimmten Farben/Mustern mit Merleträgern untersagt ist. Die Farben/Muster sind ohnehin nicht so vielfältig in diesen Rassen und daher überschaubarer, oftmals sind kaum mehr als 3 – 5 Farben/Muster  zugelassen bzw. gar nicht mehr als 3 – 5 Farben/Muster genetisch in der Rasse vorhanden. Manche Rassen hätten ohne Merletiere einen so kleinen Genpool, dass sie gar nicht in der Lage wären, sämtliche Merletiere aus der Zucht auszuschliessen, da sonst der überwiegende Zuchtstamm wegfallen würde. Dies ist beim Chihuahua überhaupt nicht der Fall. Der Chihuahua gehört sicher zu den Rassen mit der breitesten Farb- und Musterungspalette (A/ay/at/as, B/b, C/cch/cd/c, D/d, Em/E/ebr/e, S/si/sp/sw, T/t, und nun auch M/m). Die Kombination allein von 10 beteiligten Genen soll 1.048.576 Farb- und Musterungsmöglichkeiten ergeben (siehe www.lildachs.com/genetics.htm), bei 5 Genen ergeben sich jedoch nicht die Hälfte, sondern gerade mal nur 1.024 Möglichkeiten. Mathematik ist nicht gerade meine große Stärke, aber ich denke, dass beim Chihuahua mit 8 Farb- und Musterungsgenen die Kombinantiosmöglichkeiten so zahlreich sind, dass sie kaum überschaubar sind.

Wo genau sehe ich persönlich nun die speziellen Risikofaktoren?

1. Scheckungsgen bzw. Weissfaktorierung/rezessives Weiss (si, sp, sw)

Weissgefleckte Hunde, vor allem, wenn die Weissflecken grossflächig auftreten, haben ein signifikant höheres Risiko für Taubheit, Blindheit, Immunschwäche, Hautprobleme Unfruchtbarkeit, erhöhte Welpensterblichkeit etc. Beim Dalmatiner (sw/T) liegt lt. Prof. Dr. Strain, Uni Luisiana USA, die doppelseitige Taubheit bei 8 % und die einseitige bei 22 %, diese Werte varieren zwar von Land zu Land und Studie zu Studie, jedoch sind sie überall signifikant hoch. Bei vielen anderen Rassen wird kein Taubheitstest durchgeführt, daher wird die einseitige Taubheit oft nicht festgestellt, da sie das Tier nicht merklich behindert, aber züchterisch sind diese Hunde grosse Risikofaktoren, da sie ihre Veranlagung weitervererben können. Die Taubheit scheint bei anderen Rassen mit Scheckungsgen ca. 1/3 bis ½ so hoch wie beim Dalmatiner zu sein, also ca. 3 – 4 % bzw. 7 – 11 %. Der allgemeine Durchschnitt für Taubheit aller Rassen liegt bei 2,56 % (Prof. Strain). Ähnlich wie beim Merlegen ist beim Scheckungsgen für die Taubheit verantwortlich die Unterdrückung der pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) in der Stria vascularis der Cochlea (Schnecke) des Ohres und bei Blindheit das Fehlen von Pigmenten im Tapetum lucidum. D.h. Hunde, deren Ohren und Augen aufgrund der extensiven Weißscheckung zum Teil oder weitgehend unpigmentiert bleiben tragen ein deutlich höheres Risiko einer Schädigung des Hör- und/oder Sehsinns, so z.B. sind Hunde mit blauen Augen weit häufiger von Taubheit geschlagen, also solche mit pigmentierten Augen. Es scheint allerdings, dass die Natur sich selbst bemüht immer möglichst auch die Ohren und Augen mit Pigment zu versehen, aber eben nicht immer.

Wo und in welchem Ausmass die fehlende Pigmentierung auftritt, ist im Voraus nahezu unvorhersehbar, da dies vermutlich polygenetisch vererbt wird, also von mehreren unbestimmten Genen und von +/- Modifikatoren abhängt, die unbekannt und in der Kombination unüberschaubar sind. D.h. ein Züchter kann bei Verpaarung von Extremschecken bzw. auch nur solchen, die das Gen rezessiv tragen, aber phänotypisch nicht zeigen, kaum durch Selektion beeinflussen, wo die Scheckung auftritt und wo nicht. Daher können zwei Eltern, die am Kopf gut pigmentiert sind, trotzdem Welpen bekommen, die wenig oder keinerlei Pigmentierung am Kopf haben werden und umgekehrt genauso. Lediglich die mehr oder weniger geringe Scheckung ist vorhersehbar, wenn man den Genotyp seines Tieres kennt (si, sp, sw in jeder Kombination also si/si, si/sp, si/sw, sp/sp, sw/sw, sp/sw und deren Umkehrung). Aufgrund dieses unberechenbaren Risikos scheiden bei vielen Rassen bereits Extremschecken im Vorfeld aus der Zucht aus. Ausserdem wird häufig darauf geachtet, dass keine Verpaarung von Extremschecken mit Merleträgern vorgenommen wird, z.B. bei Doggen in der Harlekinzucht.

Wer nun denkt, dass Taubheit/Blindheit beim Chi bisher bei Scheckung nicht aufgetreten sei, unterliegt einem Irrtum, es kann gerade beim Versuch der Reinzucht reinweisser Tiere, zu derlei Defekten bei Welpen kommen. Ich persönlich kenne aus meiner Jugend eine blinde weisse Hündin und aus jüngster Zeit aus meinem Bekanntenkreis zwei beidseitig taube Chihuahuas mit Extremscheckung (Fotos siehe Anlage). Wohlgemerkt: Nicht alle Tiere, die Extremscheckung tragen sind blind oder taub, aber das Risiko ist signifikant höher bei Extremschecken als bei pigmentierten Hunden.

In Kombination mit dem Merlegen dürfte das extreme Scheckungsgen (sw/sw aber auch sw/sp oder sw/si) zu einem deutlichen Anstieg von Defekten führen, so wurde es zumindest in anderen Rassen, die auch Merle züchten, festgestellt.

2. PHANTOM-MERLES: Verblassen der Merlezeichnung bei bestimmten Farben

Eine weitere Problematik beim Chihuahua sehe ich in den vielen Farben und Farbverdünnungen bei Kombination mit dem Merlegen. Nur bei den einfarbig blauen Merles, die durch Verdünnung der schwarzen Farbe entstehen, kann man scheinbar die Merletiere eindeutig als Merletiere erkennen. So ist aus der Collie- und Sheltiezucht bekannt, dass bei sog. sable- bzw. zobelfarbigen (gelb bis rot) Hunden die Merlezeichnung oft nur kurz nach der Geburt erkennbar ist. Mit zunehmendem Alter verblasst die Merlezeichnung nicht selten bis zur Unfeststellbarkeit, insbesondere bei Tieren, die reinerbig (homozygot) für die Zobelfarbe sind (ay/ay). Daher ist in vielen Zuchtordnungen die Verpaarung von Sable (Zobel) mit Merle untersagt oder zumindest unerwünscht, um das Risiko der ungewollten Verpaarung eines oder zweier unerkannter Merle-Träger zu minimieren.

Ebenso frage ich mich, wie bei Extremschecken in Kombination mit dem Merlegen die Merlezeichnung aussieht, verschwindet sie ähnlich wie bei den sablefarbigen Tieren? Noch problematischer könnte dies bei Farben werden, die zusätzlich verdünnt sind, wie es beim Chihuahua ja häufig der Fall ist. Zu den Verdünnungsfarben zählen blau, isabelle/lilac, apricot, creme. Die Verdünnung kann auf zwei verschiedenen Genserien beruhen.

3. Farbverdünnungs-, oder Farbunterdrückungsgene (D- und C-Serie)

Die D-Serie sorgt in der rezessiven Form dafür, dass aus

- schwarz -> blau,

-  gelb bis rot (Zoble/Sable) -> diverse beige/isabelle bis apricot-Schattierungen und

- choco-> lilac

wird. Die Intensität der Farbe wird z.T. über +/- Modifikatoren gesteuert.

Die C-Serie steuert die Produktion von Melanin und bewirkt in der rezessiven Form, dass tan (rote Abzeichen wie beim Dobbermann) heller wird bis hin zu creme verblasst und insgesamt je nach Kombination auch das gesamte Fell aufhellt und zu grauen (cb), chinchillafarbigen (cch) bis hin zu weissen Tieren führt, die dann entweder hellcremefarben (cd/cd) (schwarzes Nasenpigment, dunkle Augen) oder Albinos (c/c) (rote Augen) sind.

Ganz besonders problematisch erscheint mir die Frage, wie sich wohl rein blau (d/d) mit dem Merlegen verhält, kommt es in dieser Kombination verstärkt zu tauben oder blinden Hunden? Sieht man die Merlezeichnung überhaupt noch auf blauem Untergrund, der ja auch immer unterschiedlich getönt (+/-) sein kann?

In Kombination mit dem Merlegen könnten all diese Verdünnungen zum völligen Verblassen der Merlezeichnung führen. Wenn ich mir ein cremefarbiges (cd/cd) Tier mit Tüpfelung (Tt oder TT) und extremer Weissscheckung (sw/sw) sowie Merlezeichnung (Mm) vorstelle, erscheint es mir extrem schwierig bis unmöglich, solche Merletiere noch zu identifizieren. Somit wäre natürlich auch die ungewollte Verpaarung mit einem zweiten Merletier (dem man das Merlegen womöglich auch nicht ansieht) selbst für einen Züchter, der keine Merles züchten will, kaum 100%ig zu vermeiden, es sei denn man verzichtet generell gänzlich auf die Merlezucht beim Chihuahua. Dies ist jedoch zumindest außerhalb Deutschland schon längst nicht mehr der Fall. Und auch in Deutschland werden bereits Merlechihuahuas in Nicht-VDH-Vereinen gezüchtet.

Nicht nur ich, sondern auch erfahrene Züchter und Zuchtwarte tun sich nicht selten schwer damit, die Farbe der Welpen bereits frühzeitig zu benennen. Daher resultieren in den Ahnentafeln auch manchmal falsche Farbbezeichnungen, z.T. werden farbverdünnte Tiere nicht als solche eingetragen, blau wird dann oft als grau bezeichnet, farbverdünntes beige/apricot wird schon gar nicht von den klaren gelb/rot Farben unterschieden. Der eindeutige Farbgenotyp des Einzeltieres ist allein aufgrund der Ahnentafeln daher zum Teil nur mit Mühe, wenn überhaupt zu recherchieren. Es gibt leider auch keine offizielle Farbtabelle, an der man sich orientieren könnte.

Eigentlich müsste ich also die Entscheidung der drei für den Chihuahua zuständigen Vereine, dass Merletiere keine Zuchtzulassung bekommen sollen, begrüßen. Tu ich auch, aber ich habe meine Zweifel, ob sich diese Vorschrift tatsächlich in jedem Fall durchsetzen lässt, denn der Standard kennt keine Farb- oder Musterungsrestriktionen und der VDH lässt die Merlezucht auch bei anderen Rassen zu. Zudem hat selbst das deutsche Tierschutzgesetz scheinbar keine Handhabe, die Merlezucht gänzlich zu verbieten, obwohl der Gesetzgeber bereits mehrere Vorstöße unternommen hat.

Somit bleibt für mich die Frage, inwieweit das Zuchtverbot bestand haben wird bzw. in der Praxis umsetzbar ist, wenn es ein engagierter Züchter darauf anlegen wird, trotzdem eine Zuchtzulassung zu erstreiten oder gar auf Umwegen zu erlangen? Sind die Vereine darauf vorbereitet? Gibt es eine Argumentationsliste für die Besonderheiten in der Rasse Chihuahua? Und wie sieht es aus, wenn ein ausländisches oder ausserhalb des VDH gezüchtetes cremefarbenes, kaum geschecktes, getüpfeltes, farbverblasstes Merletier wissentlich oder unwissentlich von einem Züchter als Nichtmerle registriert wird und trotzdem in die Zucht gelangt? Wird die Zuchtzulassung nachträglich entzogen? Werden die Nachkommen für die Zucht gesperrt etc.? Und was ist, wenn so ein unerkanntes Tier erst nach Generationen einen sichtbaren Merlenachwuchs hervorbringt, beim Chihuahua nicht undenkbar, da die Wurfstärke ja gering ist und die Chancen immer nur 50/50 stehen. Wie will man dann sämtliche Träger rückwirkend identifizieren und sperren? Und wie einfach wäre es für einen Züchter, verbotene Merletiere einfach nicht als solche eintragen zu lassen, wo die Farbdefinition so undurchschaubar ist? Fragen über Fragen.

Einen Lichtblick gibt es allerdings! Nachdem das Genom des Hundes ja nun im letzten Jahr entschlüsselt wurde und es nur eine Frage des Geldes und der Zeit ist, bis für jedes beauftragte Gen ein Marker vorhanden sein wird, wäre dies eine Möglichkeit die Merlezucht auf vernünftige Beine zu stellen. Da es ja einige Rassen in der F.C.I gibt, die mit Merlgen gezüchtet werden, dürfte das Interesse auch relativ hoch liegen, dass demnächst eine solche Studie beauftragt wird und so zahlreich durchgeführt wird, dass sie auch kostenmäßig tragbar ist. Eventuell könnten die Vereine da gemeinsam eine Anfrage beim VDH oder der GKF machen, inwieweit so was schon projektiert ist.

Ein Durchbruch sicherlich auch für viele andere unerforschten Defektgene, die sogar noch dringender nach einer Lösung schreien. Lt. Prof. Distl/Uni Hannover dürfte sich ein Marker für die meisten einfachen Gene innerhalb weniger als einem Jahr nach Beauftragung finden lassen, polygenetische Anlagen dürften allerdings je nach dem, wie viele Gene dann beteiligt wären, entsprechend länger dauern, pro Gen ein halbes bis dreiviertel Jahr schätzungsweise. Ein genetischer Fingerprint für jedes Zuchttier könnte in Zukunft viele Probleme in der Hundezucht lösen helfen. Herr Prof. Distl empfiehlt z.B. jedem Züchter von seinen Zuchttieren eine Blutprobe einzufrieren, um im Bedarfsfall auch nach deren Tod noch darauf zurückgreifen zu können.

4. Fremdrasseneinkreuzung?

Zu guter letzt bleibt auch immer noch die Frage offen, wie das Merlegen in die Rasse Chihuahua gelangt ist? Einen Gentest, der die Zugehörigkeit zu einer Rasse feststellen könnte, gibt es noch nicht. Der Rassebegriff ist kein biologischer. Biologisch gibt es nur den Begriff der „Art“. Verpaart man zwei Arten, sind die Nachkommen oft unfruchtbar. Beim Hund lässt sich jede Rasse miteinander ohne Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit kombinieren. Ein genetischer Rassetest ist zumindest derzeit nicht möglich, noch nicht mal die rein biologisch genetische 100 %ige Differenzierung zwischen Wolf und anderen Caniden ist möglich, dazu werden immer auch Knochenfunde, Schädelvermessung, geologische Kenntnisse etc. zusätzlich herangezogen, zumindest aber habe ich über einen solchen Gentest keine positive Erkenntnis gewonnen (z.B. Coppinger). Lediglich die Zuordnung zu einem Elterntier ist bis zu einem gewissen Grad möglich (z.B. Vaterschaftstest).

Da das Merlegen dominant vererbt wird, kann man kaum annehmen, dass das Merlegen rezessiv über Jahrzehnte weitergegeben wurde, um erst jetzt zu Tage zu treten. Auch die These einer spontanen Mutation ist äussert fragwürdig, zumindest hat sich der anerkannte Experte

Prof. Dr. Georg M. Strain,

Professor of Neuroscience, Comperative Biomedical Sciences, Louisiana State University School of Veterinary Medicine, Baton Rouge, LA 70803, Voice 001-225-578-9758, Fax 001-225-578-9895

Auf eine Anfrage von Gloria Lambert, einer engagierten Chihuahuazüchterin in USA dahingehend geäussert, dass eine spontane Mutation des rezessiven Merlegens (m) höchst unwahrscheinlich zu demselben Phänotyp/Erscheinungsbild führen dürfte, wie es das dominante Merlegen (M) verursacht. Auch wenn nicht mit absoluter Sicherheit, so ist Prof. Strain doch zu der Überzeugung gelangt, dass das Merlegen über Einkreuzung einer oder mehrerer anderer Rassen in den Chihuahua gelangt sein muss.

Dies wirft natürlich wiederum Fragen auf, welche Rassen dies sein könnten, und welche Art von rassetypischen Erbkrankheiten (unabhängig vom Merlegen) in diesen Rassen vorherrschen könnten, die wir beim Chihuahua (bislang) nicht oder kaum kennen? Der Chihuahua kann sich im Vergleich zu anderen Rassen (noch) rühmen, kaum für rassetypische Erbkrankheiten prädisponiert zu sein. Soll man das auf`s Spiel setzen für den Gewinn einer exotischen Farbe, die evtl. verkaufsträchtig sein könnte?

5. Haftungsrisiko/neues Kaufrecht

Wer aber trotzdem mit der Merlezucht liebäugelt, sollte auch daran denken, dass nach dem neuen Kaufrecht der Züchter nicht nur eine zweijährige Haftung übernimmt, sondern darüber hinaus jedes Gericht wohl annehmen wird, dass Züchter und auch Hobbyzüchter sich über die genetischen Gesetze und absehbare Qualzucht im Vorfeld eigenverantwortlich zu informieren haben.

Und was ist, wenn die Merlezucht in einigen Jahren generell verboten werden sollte? Dann würde schlagartig der Genpool auch beim Chihuahua deutlich abfallen, da alle Merletiere dann aus der Zucht genommen werden müssten.

Ich würde mich jedenfalls sehr für die Rasse Chihuahua freuen, wenn sich viele meiner Bedenken als unbegründet erweisen sollten.

Als Schlusswort möchte ich noch die Worte des Experten Prof. Dr. med. vet. Wilhelm Wegner zitieren, der das Gutachten zum Qualzuchtparagraphen kommentierte und unter anderem ausführte:

„ ... Nicht nur weil auch Standardtiere mit Schäden geschlagen sein können, sollte man auf das Merlegen ganz verzichten, sondern weil es sonst immer wieder Ignoranten und Indifferente geben wird, die eine „Reinzucht“, d.h. die M x M-Verpaarung betreiben und den so erzeugten „Ausschuss“ unter den Teppich kehren werden. Dies besonders deswegen, weil Homo- und Heterozygote nicht immer klar abzugrenzen und die Übergänge fliessend sind. ...“

  • 1. April 2004/Lorena Galanti
  • Siehe hier: Zuchtverbot für Merlechihuahua in allen drei chihuahuabetreuenden Vereinen im VDH sowie in der Schweiz, SKG. Ebenso hat sich Australien zum Zuchtverbot entschlossen. GB und USA streben eine Standardänderung an, wo Merle-Chihuahus ausgeschlossen werden sollen.

    Siehe auch die Seite der GB-Rassehundevereine link: man muss auf das Bild des Chihuahuas klicken und dann noch zusätzlich oben rechts unter dem Feld "more breed notes" noch die entsprechenden Artikel unter folgenden Datum aufrufen, um die entsprechenden Artikel  über Merle zu erhalten:

    INSBESONDERE 21.2.2005, Artikel von Malcom Willis (führender UK-Genetiker) über die spezielle Problematik der Merlezucht beim Chihuahua, seine Frau züchtet übrigens Chihuahuas, somit dürfte er wirklich DIE KAPAZITÄT schlechthin sein, um die Problematik richtig beurteilen zu können. Sein Bericht deckt sich im Übrigen in allen Punkten mit dem von mir veröffentlichten Artikel, der bereits im April 2004 erschienen ist.

    24.01.2005, generelle Betrachtung der Problematik Merle beim Chihuahua

    6.2.2005, weitere Betrachtung der Problematik Merle beim Chihuahua mit Literaturhinweisen

    9.5.2005, Mitteilung, dass Australien Merlezucht beim Chihuahua verbietet!!!


    Somit haben nun die den internationalen Dachorganisationen angehörenden Vereine in den Ländern Deutschland, Schweiz, Australien die Merlezucht mit Chihuahuas verboten. Die Vereine in UK und USA und weitere Länder streben die Standardänderung an, dass alle Farben außer Merle zugelassen sind, um auf diesem Wege die Merlezucht zu verbieten. Wohlgemerkt, heißt dass nicht, dass es gesetzlich verboten wäre, denn nur bestimmte Vereine, in Deutschland z.B. der VDH, der dem F.C.I. als internationalem Dachverband angehört, haben dieses Verbot ausgesprochen.

    Leider unterliegen die Länder, die eine Standardänderung im Auge haben, insofern einem Irrtum, als dass es sich nicht um eine Farbe handelt, sondern um eine Zeichnung (Pattern), insofern ist eine Standardänderung gar nicht zwingend erforderlich, wie manche fälschlicherweise annehmen könnte.

    Diejenigen Merle-Züchter, die dann auch noch die Dreistigkeit besitzen mit gesunden Merle-Chihuahus Werbung zu machen, und damit den Käufern vorgaukeln wollen, als gäbe es nur gesunde Merle-Chihuahuas (die anderen lässt man natürlich einschläfern  und zeigt sie erst gar nicht her) sind für mich der Gipfel der IGNORANZ!

    Denn selbstverständlich können auch gesunde Merle-Chihuahuas vorkommen, NIEMAND hat jemals behauptet, dass ALLE Merle-Chihuahuas krank sind, sondern lediglich, dass ein zu hohes Risiko für Defekte besteht, das jedem verantwortungsvollen Züchter selbstverständlich deutlich zu groß ist, weil er keine kranken Welpen in Kauf nehmen will, nur um eine besondere Farbe für viel Geld an noch ignorantere Käufer verkaufen zu können.

    Bildbeispiel tauber Chihuahua
    mit extensiver Weissscheckung (s
    w/sw)