Impfen

Impfen ja, aber mit Verstand!

 

Zum Thema Impfen haben sich ganz neue Erkenntnisse aufgetan und auch in Zukunft wird es sich noch große Änderungen geben, deshalb sollte man immer ganz aktuell am Ball bleiben und sich gründlich umfassend informieren.

In den letzten Jahren haben sich die sog. Kombinationspräparate (in der Regel SHLPPiT, also Staupe, Hepatitis, Leptospirose, Parvovirose Parainfluenza, Tollwut) bei der Impfung durchgesetzt, weil sie so praktisch sind. In der Kombination wird gegen mehrere Erkrankungen gleichzeitig geimpft.

Das hat aber auch seine Tücke, denn mit der Zunahme dieser Impfpraxis nahmen auch die Nebenwirkungen zu:

Es gibt viele Gründe, vor allem Chihuahua-Welpen nicht die volle Dröhnung zu verpassen. Neben leichten Nebenwirkungen wie Durchfall, Infektanfälligkeit, Bindehautentzündungen, Erkältungen, Abgeschlagenheit, schmerzhafte Impfknoten auch noch nach Wochen nach der Impfung, kann es auch zu schweren Nebenwirkungen wie Autoimmunerkrankungen, anaphylaktischer Schock, Rheuma, Allergien oder Impfversagen (d.h. der Hund erkrankt an einer Viruserkrankung, gegen die er eigentlich geimpft wurde) kommen!

Prof. Schultz (Virologe an der vet. Uni. Wisconsin) empfiehlt, sich bei der Grundimmunisierung von Welpen auf die wirklich gefährlichen Infektionen, also Parvo und Staupe, zu beschränken, da die Mehrfachimpfstoffe ein erhöhtes Risiko für adverse Reaktionen (schädliche Nebenwirkungen) beherbergen. Außerdem gibt er zu bedenken: "Je mehr Komponenten wir in einer Impfdosis kombinieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Interferenz (gegenseitige Aufhebung der Wirkung) kommt. Wenn Mehrfachimpfstoffe gegeben werden, konkurieren sie um die antigenpräsentierenden Zellen". (Quelle: Hunde impfen mit Verstand, Monika Peichl) . Dies wurde auch in einer Impfstudie der vet. Uni. München in den Jahren 1998 - 2000 belegt, die feststellte, dass die Parvoviroseimpfung am besten wirksam ist, wenn sie separat geimpft wird. Ähnliches dürfte für alle Impfungen gelten.

Das bedeutet mit knappen Worten: Der Hund kann trotz Impfung dann an der geimpften Erkrankung erkranken.

Es gibt zum Glück auch genügend Tierärzte, die von sich aus zumindest die Trennung der Tollwut von den anderen Impfstoffen bei Risikopatienten (und dazu gehören gerade Zwerghundwelpen) befürworten, weil sie wissen, dass gerade die Tollwutimpfung öfter Probleme macht und obendrein die Impfung besser anschlägt. Warum impft man Menschen nicht vorsorglich gegen Tollwut , obwohl Tollwut ja eine tödliche Krankeit ist? Bei 25 % der geimpften Menschen treten z.B. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskelschmerzen und Benommenheit auf. Bei 7 % kommt es nach 21 Tagen zu allergischen Reaktionen, Fieber, Erbrechen, jeder 10.000 erleidet einen anaphylaktischen Schock (kann unbehandelt bis zum Atemstillstand/Kreislaufversagen und damit zum Tode führen). Ebenfalls Nervenentzündungen und Lähmungen über Monate werden beschrieben.

Fakt ist auch, dass Einzelimpfungen wirksamer sind, zumindest ist dies bei Parvovirose (Prof. Truyen, Virologe) und Tollwut (Internationales Tierseuchenamt OIE) nachgewiesen worden, und vermutlich verhält es sich auch bei den anderen Impfstoffen so. Das allein ist schon ein Grund, möglichst viel getrennt zu impfen.

Fakt ist, dass Leptospirose nicht unter 12 Wochen geimpft werden sollte bei Kleinhunden, das empfiehlt z.B. der amerikanische Professor und Leiter der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Wisconsin und steht auch auf den meisten Beipackzetteln.

Über den Sinn und Nichtsinn der Leptospiroseimpfung mag man streiten (da sie sowieso nur gegen zwei Stämme von über 200 wirkt und zudem auch sehr gut behandelbar ist), wenn man sie aber impft, sollte man sie auch nicht zusammen mit Parvo impfen, denn dadurch wird die Wirkung von Parvo herabgesetzt! Parvo ist die gefährlichste und häufigste Welpenerkrankung und wenn man eine Impfung als 1. Priorität bei Welpen ansetzen müsste, dann wäre es Parvo, um die Wirkung also nicht zu gefährden, sollte man Lepto tunlichst nicht zusammen mit Parvo impfen. Lepto ist überdies im Winter nicht aktiv, eine Leptospiroseinfektion im Winter also ausgesprochen unwahrscheinlich, es sei denn man hält die Welpen auf dem Hühnerhof, da dieses Bakterium sich gerne in Urinpfützen hält. Welpenimpfung mit Lepto-Kombi im Winter ist also grober Unfug.

Dass bestimmte Impfstoffe mehr Nebenwirkungen verursachen als andere ist ebenfalls mehrfach in Fachblättern von Virologen veröffentlich worden, so z.B. Borreliose, Zwingerhusten Leptospirose. Diese Impfungen sind zudem nicht sonderlich wirksam (Borreliose praktisch gar nicht gegen die hiesigen Erreger, Zwingerhusten nur zu max. 30 % und nur wenige Wochen wirksam, Leptospirose nur gegen 2 Stämme von über 200 (gegen die man gar nicht impfen kann) und nur wenige Monate wirksam).

Es ist daher wenig empfehlenswert, solche Impfungen in die Welpen-Dröhnung zu hauen, wenn sie kaum wirken, und die Wirksamkeit der wirklich gefährlichen Viren (Staupe, Parvo) herabsetzen und zudem noch ein höheres Nebenwirkungsrisiko bergen. Warum kommt es wohl immer wieder zu Parvoinfektionen bei geimpften Hunden? Auch dazu gibt es eine Studie, die besagt, dass Parvo separat geimpft sicherer wirkt (siehe auch obiges Zitat von Prof. Schulz).

Es ist auch selbsterklärend, dass eine Impfung, die diese Kombistoffe (Lepto, Zwingerhusten, Borreliose, Tollwut) nicht enthalten, besser verträglich sind, da das höhere Risiko, dass diese Impfungen mit sich bringen, wegfällt, wenn man sie bei der Grundimmunisierung gegen die häufigsten und lebensbedrohlichen Welpenkrankheiten Staupe und Parvo weglässt. Impfstoffe gegen Leptospirose enthalten Formaldehyd (0,12 mg Formaldehyd) als Adjuvanz, was für große Hunde schon eine Dröhnung ist, ist es erst recht für Zwerghunde, die bekommen nämlich auch die 0,12 mg Formaldehyd gespritzt. Formaldehyd verstärkt bei bestimmten inaktivierten Vakzinen eine Infektion/Erkrankung an den Erregern, gegen die in der Kombi geimpft wurde.

Dass Kombiimpfungen eine Immunsuppression (bzw. Immunmodulation) hervorrufen, wurde von diversen Veterinären in Studien nachgewiesen, z.B. Alois Strasser oder James Roth. D.h. die Die Abwehrkraft von Immunzellen wird geschwächt und bei Rindern wurde z.B. nachgewiesen, dass sie nach der Kombiimpfung öfter an bakterieller Lungenentzündung erkranken (natürlich nicht alle, aber eben signifikant zu viele).

Die Annahme, dass die Milchzähne schlechter wechseln, wenn man Tollwut schon vor dem Zahnwechsel gibt, habe ich auch schon oft gehört, auch von langjährigen Züchtern, dazu gibt es allerdings keine Studien und ich will auch nicht behaupten, dass es so ist oder nicht so ist, allein von ein paar Würfen, würde ich auch nicht wagen, solche Behauptungen, egal ob nun in die eine oder andere Richtung, aufzustellen. Dazu müsste man wirklich gezielte Auswertungen vornehmen. Ich bin aber eher so eingestellt, dass ich keinen Grund sehe, das Risiko überhaupt einzugehen, solange mir das Gegenteil nicht bewiesen wird und es in den allermeisten Fällen völlig risikolos ist (Chiwelpen werden nunmal nicht auf die Jagd mitgenommen), diese Impfung erst später nach dem Zahnwechsel zu machen. In Fällen, wo akute Tollwutfälle in Nahbereich behördlich ausgewiesen worden sind, würde ich auch früher Tollwut impfen, dann aber auf jedenfall getrennt und nicht in Kombi.

Fakt ist , dass der Zahnwechsel an sich bei vielen Welpen eine Belastung ist, überhaupt sind Welpen die ersten Monate Mehrfachbelastungen (Besitzerwechsel, Alleingelassenwerden, Futterumstellung, Fellwechsel, Zahnwechsel, Erziehungsstress, oft genug Verdauungsprobleme) ausgesetzt, da muss man nicht noch hineinimpfen, schon gar nicht mit einer Dröhnung, zumal die Tollwut nicht die 1. Priorität bei Welpenerkrankungen einnimmt.

Natürlich und Gott sei Dank, wird nicht jeder Welpe mit Nebenwirkungen belastet sein, der dennoch unvernünftig geimpft wird. Es ist aber unnötig überhaupt solche Nebenwirkungen (die mehr oder weniger stark sein können und im schlimmste Fall sogar tödlich) in Kauf zu nehmen, wenn es nicht erforderlich ist, weil man auch anders (schonender und wirksamer) impfen kann.

Deshalb empfielt zum Glück der Deutsche Impfkodex (Fachgruppe Kleintierpraxis des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte ) seit 2006 nun auch den dreijährigen Impfintervall für die Pflicht-Impfungen, das kommt sicherlich nicht daher, weil Impfen so unschädlich ist, wie viele immer noch behaupten. Jede Impfung hat ein Risiko und man sollte immer den Nutzen mit dem Risiko abwägen und nur das tun, wo der Nutzen überwiegt. Das ist es z.B. bei Borreliose oder Leptospirose oder auch Zwingerhusten in den seltensten Fällen, drum sollte man das auch nicht gerade einem Zwerghundwelpen zumuten.

Ich kann jedem nur empfehlen, sich selbst gründlichst immer aktuelle über alles rund um das Impfen zu informieren und nicht blind dem TA zu vertrauen, die leider oft wenig informiert sind über den aktuellen Forschungsstand bzw. wohl auch aus kommerziellen Gründen die Impfintervalle nicht zurückfahren wollen..

Welpen sollten nur SHP mit 8, 12 und 16 Wochen bekommen, noch besser nur 1 x SHP und 2 x SP. Da Hepatitis einmal geimpft einen lebenslangen Schutz bietet und zudem Heptatis bei Hunden in Deutschland seit Jahren nicht mehr nachgewiesen werden kann.

Nach dem Zahnwechsel mit ca. 6 - 7 Monaten impft man dann noch die Tollwut separat mit Abstand von mind. 6 Wochen zu einer durchgeführten oder bevorstehenden Narkose. Bei der Tollwutimpfung sollte man darauf bestehen, dass die dreijährig gültige Impfung geimpft und in den Impfpass eingetragen wird, die Tollwut muss erst nach 3 Jahren wieder nachgeimpft werden. Es ist derselbe Impfstoff wie der, der 1 Jahr zugelassen ist, nur dass eine gesonderte Zulassung für 3 Jahre vom Hersteller beantragt und vom PEI genehmigt wurde, aslo reiner Behördenkram. Mit der 3 Jährigen Tollwutimpfung ist man auch in der EU zur Ein- und Ausreise berechtigt, sofern sie im Impfpass eingetragen ist. Für skandinavische Länder und Großbritannien etc. sollte man sich immer rechtzeitig über die aktuellen Einreisevorschriften erkundigen, die von den EU-Richtlinien abweichen können.

Und 12 Monate nach der letzten SP-Impfung nochmal SP. Der Deutsche Impfkodex der Tierärzte empfiehlt danach dann einen dreijährigen Intervall, obwohl amerikanische Studien eine mindestens 7jährige Wirkung nachweisen, sicherlich wird auch das noch Eingang in die künftigen Impfschemen finden.

Leider muss man beim TA oft sehr beharrlich und energisch auftreten und genau wissen, was man will, um nicht überrumpelt zu werden. Es empfiehlt sich, den Impfstoff frühzeitig beim TA zu bestellen und rechtzeitig vor dem Termin nochmal nachzufragen, ob der Impfstoff wirklich vorhanden ist. Die TÄ bestellen in der Regel billige Großpackungen eines Kombiimpfstoffes, den sie dann jedem Hund verpassen. Das separate Bestellen auf Wunsch ist noch nicht Usus. Die kleinste Packungseinheit besteht aus 10 Ampullen, wenn man selber nur eine Ampulle benötigt, wird das oft vom TA als Argument angeführt, dass er dann auf den restlichen 9 sitzen bleibt. Nicht selten werden die umöglichsten Ausreden aufgetischt, warum es angeblich besser ist, Kombi jährlich zu impfen. Bleibt man aber beharrlich und verweist auch mal darauf, dass es noch andere TÄ gibt, die ggf. williger sind, wird man meist zum Ziel kommen.

Es gibt aber TA, vor allem solche, die zugleich auch homöophatisch arbeiten, die den Deutschen Impfkodes kennen und auch eine schonende Impfpraxis befürworten.

Ich bin auch sicher, dass sich die TÄ auf lange Sicht umstellen werden müssen.Der Halbgott in Weiß hat ausgedient.

Ganz besonders wichtig!

Bitte melden Sie selber alle Impfreaktionen an das Paul-Ehrlich-Institut, damit die Impfstoffe weiter verbessert werden können! Die Tierärzte kommen dieser Pflicht leider nur sehr ungenügend bis gar nicht nach! Auch wenn der TA sagt, dass es normal sei, wenn der Welpe nach dem Impfen schlapp und schmerzhaft ist, melden Sie das bitte unbedingt beim PEI, sonst werden die Impfstoffe niemals verbessert.

Bitte verwenden Sie für Ihre Meldung das Formular für Tierärzte. Sie
finden es unter
http://www.pei.de/cln_047/nn_162666/SharedDocs/Downl oads/tieraerzte/uaw- formular-vet,templateId=raw,property=publicationFile.pd f/uaw-formular-vet.pdf
..
Im Feld für Name und Anschrift des Einsenders fügen Sie bitte den
Vermerk ein, dass die Meldung durch den Tierbesitzer erfolgt.

Paul-Ehrlich-Institut (Bundesamt für Sera und Impfstoffe)
Presse, Informationen
Paul-Ehrlich-Str. 51-59
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E-mail: presse@pei.de
http://www.pei.de/

Das Paul-Ehrlich-Institut ist eine Einrichtung im Geschäftsbereich des
Bundesministeriums für Gesundheit.
 

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