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C-Wurf-Protokoll
10. Dezember 2003, 21.00 Uhr
Judy wird unruhig, geistert die ganze Nacht durch das Zimmer, sucht verschiedene Körbchen auf, mal liegt sie auf dem blanken Boden, dann wieder auf der Couch, kommt zu mir ins Bett, um sich kurz streicheln zu lassen, doch schon wieder treibt es sie um. Da sie auch die Nacht zuvor unruhig war, messe ich dem erstmal keine größere Bedeutung zu, denn es kann noch Stunden dauern, bis es richtig los geht.
11. Dezember 2003, 3.00 Uhr
Judy beginnt zu hecheln und scharren, sie ist sehr erregt. Es scheint loszugehen.
4.45 Uhr
Sie sucht immer wieder das Katzenklo (Zeitung) auf, nimmt Defektationsstellung ein, allerdings ohne sichtbar zu pressen. Ist immer noch sehr unruhig und wandert weiter rastlos herum, auf der Suche nach einem Versteck, immer wieder sucht sie das Wurfnest auf, bin gespannt, ob sie im Wurfnest wirft, meine anderen Hündinnen haben jeweils auf der Matraze geworfen und sind erst nach der Geburt ins Wurfnest gegangen.
4.51 Uhr
Judy sucht das Wurfnest auf, leckt aufgeregt die Vulva, es scheint Fruchtwasser abgegangen zu sein, zumindest ein Schleimpropf. Judy kommt aber dann doch zu mir ins Bett und verkriecht sich unter die Bettdecke, sie ist etwas verängstigt, ist schließlich auch ihre erste Geburt. An meinem Oberschenkel spüre ich, dass leichte Wehen durch ihren Körper gehen. Es ist jedoch nichts zu sehen.
6.40 Uhr
außer dass die Pausen allmählich kürzer werden und die Wehen etwas deutlicher, unverändertes Bild. Ich schaffe die anderen Hunde ins andere Zimmer, damit wir ab jetzt ungestört sind. Ich entferne die Bettdecke und lege Badetücher aus, Judy legt sich sofort darauf, ich leg mich zu ihr. Die Wehen sind anfangs noch kaum erkennbar mit langen Pausen dazwischen, ca. 15 Minuten.
7:35 Uhr
Die Zeit vergeht. Judy wimmert ab und zu ganz leise vor sich hin. In den Pausen leckt sie mir manchmal die Hand. Nach Abtasten mit dem Finger (desinfizierter chirurgischer Handschuh und Vaseline) ist nix zu fühlen, der Geburtsgang ist sehr weich, was mich beruhigt. Zwischendrin prüfe ich immer, ob die Lage des Welpen auch normal ist, es scheint so. Trotzdem bin ich beunruhigt, weil nix vorwärts geht. Zur Sicherheit geb ich Judy einen Tropfen Effortil und auch Rescue Tropfen. Ebenso fang ich an ihr im Wechsel viertelstündlich Caudophilum und Secale zu geben, so bin ich beschäftigt und konzentriert, was mich auch gleichzeitig beruhigt. Wasser biete ich ihr zwischendurch immer mal an.
8:05 Uhr
Die Wehen werden etwas stärker. Endlich erscheint die Fruchtblase, die immerzu wieder verschwindet. Langsam merkt man ihr an, dass es sie anstrengt, mein Mädel tut mir leid. Ich richte sie auf und versuche die Wehen zu forcieren, indem ich das Schambein massiere, mit Erfolg, es setzen kräftige Presswehen eim.
8:10 Uhr
Pausen nur noch zum Luftholen. Wehenserien von 5 - 8 Wehen hintereinander. Judy legt sich wieder hin. Bei jeder Wehe feuere ich sie an feste zu pressen, dazwischen lob ich sie.
8:20
Ich richte Judy wieder auf. Ich denke, es erscheint ein Köpfchen oder Körperteil, doch es scheint wieder nur die Fruchtblase zu sein, allerdings merkwürdig, als zweite Blase, wie ein Luftbalon, den man abschnürrt.
8:30 Uhr
Das Köpfchen taucht auf, ERLEICHTERUNG, eine Hinterendlage hätte mir grad noch gefehlt! Allerdings verschwindet es nun auch ständig wieder, ich bekomme es nicht zu fassen. Ich versuche vorsichtig mit den Fingern die Haut der Vulva hinter das Köpfchen zu schieben, um es besser zu fassen zu bekommen, endlich gelingt es. Mit Hyghienetüchern versuche ich nun mit jeder Wehe vorsichtig mitzuziehen, im Bogen zum Bauch der Hündin, wie es in den Bücher steht, um ja keinen Schaden anzurichten.
9:02 Uhr
Es ist geschafft, ein Mädchen noch ganz in den Eihäuten, sie sind bis zum Schluss nicht gerissen, erstaunlich. Im Moment des Austritts schnappt Judy mit einem Aufjaulen nach hinten, ich kann sie aber mit der zweiten Hand, abhalten. Es war nur der Schreckmoment, sofort kommen ihre Instinkte durch, sie will das Kleine sofort lecken etc. Nun ist auch klar, warum die Fruchtblase so merkwürdig aussah, denn die zweite Fruchtblase ist bereits beim Austritt des 1. Welpen sichtbar, nun nicht mehr so prall, weil der Druck vom 1. Welpen weg ist. Ein kurzer Griff in das Becken zeigt mir, dass der zweite Welpe bereits unterwegs ist und richtig liegt.
Das Mädchen muss sofort aus den Eihäuten befreit werden, es scheint reglos. Mir dauert es zu lange, bis Judy damit fertig wäre, daher reiss ich die Haut auf. Es ist ganz schlaff, ich nable es ab (die Plastiknabelklemmen haben sich bestens bewährt), Judy hilft mit, die Nabelschnurr ist sehr zäh. Geschafft, sofort beginne ich mit der Wiederbelebung, sauge das Fruchtwasser aus Nase und Mäulchen, rubble es, doch nix. Judy frisst mittlerweile die Nachgeburt. Ich halte es Judy hin, damit sie es kräftig leckt, doch auch das ist mir zu sachte und zu langsam. Zum Glück hab ich noch Respirot-Tropfen (die mittlerweile vom Markt genommen wurden), ein Tröpfchen ins Mäulchen und angewiedert fängt das Mädel an zu krähen, auch ich atme auf. Nun darf Judy den Rest machen, sie leckt es trocken, dann wird es gewogen. Ich kann meinen Augen nicht trauen, 187 g, das kann nicht sein, ich tariere die Waage neu aus, nochmal wiegen, wieder 187 g. Ich denk, kann nicht sein, dass die Plastikklemme soviel wiegt, aber sicherheitshalber wieg ich eine separat ab, 3 g. Kein Wunder, dass es so lang gedauert hat, 184 g, das ist ein beachtliches Gewicht und keine Selbstverständlichkeit, auch nicht für eine 3 kg Hündin. Dann leg ich es Judy an den Bauch zum Trinken, doch es macht keine Anstalten an die Zitzen zu gehen, es ist sichtbar noch geschwächt. Also versuch ich es anzulegen. Mit dem Finger teste ich den Saugreflex, er ist da, Gott sei Dank! Doch aus den Zitzen kommt (noch) keine Milch. Ich bearbeite also die Zitzen und endlich kommt aus einer der mittleren Zitzen ein winziger Tropfen hervor, ich sperre dem Kleinen das Mäulchen mit den Fingern auf, sie wehrt sich (das ist gut, zeigt es doch ihre Lebensgeister), und sofort endlich sie an zu saugen. Dann lege ich ein frisches Badetuch unter, räum die schmutzigen Tüter beiseite, reinige mir die Hände, und auch soweit es geht die Mutter, denn wir sind über und über mit Blut und Schmier verschmutzt, im Gegensatz zu den anderen Geburten von Chiqui und Anika, die relativ trocken und sauber waren. Judy ist erschöpft, gleichwohl kümmert sie sich liebevoll um das Baby. Ich geniese den Anblick und greife zum Fotoapparat, um während der Pause ein paar Fotos zu machen. Doch während ich fotographiere, setzen die Wehen schon wieder ein.
9:10 Uhr
Der zweite Welpe zeigt sich, scheinbar das Hinterteil (Hinterendlage). Mit der nächsten Wehenserie kommt gerade soviel hervor, dass ich es mit den Hyghienetüchern festhalten kann, ich brauche einige Tücher, denn es ist alles sehr nass und glitschig. Es sitzt ziemlich fest, die ganze Vulva ist stark gespannt, hoffentlich reisst nix, denke ich mir. Anfangs ziehe ich noch vorsichtig mit den Wehen, doch dann ist mir nur noch wichtig, dass der Brocken da rauskommt, also ziehe ich nun kräftiger aber behutsam, das Hinterteil hab ich fest im Griff. Erstaunlich, dass Judy nicht abwehrt, sie nimmt es gelassen, diesmal weiss sie worum es geht. Nur zentimeterweise geht es vorwärts, doch um ...
9:20 Uhr
... flutscht er dann heraus. Sofort reisse ich die Eihaut auf, die auch diesmal intakt geblieben ist. Ein Junge, rabenschwarz, wildstrampelnd und empört schreiend, Judy will sich sofort um ihn kümmern, wir nabeln ihn wieder gemeinsam ab, Judy frisst auch diese Nachgeburt hastig. Er will nun auch gleich an die Zitzen, doch die Neugierde ist so groß: was wird er wiegen? Also leg ich ihn schnell noch auf die Waage (was ein Fehler war, denn ich hätte erst den Bauch von Judy nach dem nächsten Welpen abtasten müssen, da man das nur sofort nach dem Austritt spürt, hernach verhärtet sich die Gebärmutter wieder und es ist nix genaues mehr zu spüren). 193 g!!! Ich denk, das ist der Wahnsinn und bin mächtig stolz auf Judy, wie sie das gemeistert hat. Das sind über 6 % ihres eigenen Körpergewichts. Als Faustregel gilt, dass ab 5 % bereits Kaiserschnitte gehäuft vorkommen, ab 6 % wird ein Kaiserschnitt nahezu als unvermeidbar angesehen. Man sieht, es gibt immer Ausnahmen von jeder Regel. Sicherlich kam ihr zugute, dass sie durch unsere ausgedehnten Spaziergänge gut durchtrainiert ist und wer weiss, ob nicht auch der Himbeerblättertee seine Wirkung tut.
Nun kümmert sich Judy liebevoll um die Babys, kuschelt sich um sie und relaxed, doch noch - denke ich - ist die Geburt nicht zu Ende, denn schließlich hab ich mit dem Stetoskop drei Herztöne gehört, wenngleich eines etwas leise klang und immerhin hat Judy über 1000 g zugenommen. Wenn man 200 g pro Welpen als Durchschnitt nimmt, müsste das sogar vier geben, was ich aber bei den Gwichten der Welpen ausschließe. Aber ganz offensichtlich legt Judy nun erstmal eine Pause ein, die sie sich ja auch redlich verdient hat. Sie nimmt sogar den angebotenen Becher Welpenmilch zu sich. Ich geniese den Anblick.
Die Zeit dazwischen nutze ich, um meinen engsten Freunden über das Ereignis zu berichten, Judy immer unter Beobachtung.
Es wird langsam Mittag und Judy ist immer noch entspannt und nur um die Babys bedacht. Ich komme ins Grübeln und ärgere mich, dass ich den Griff zum Bauch im entscheidenden Moment vergessen habe. Da nun auch die anderen Hunde Gassi müssen, nehme ich Judy mit auf eine kurze Runde, auch dass soll ja die Wehentätigkeit anregen. Sie macht auch gleich ein sehr schwarzes relativ weiches Häufchen, doch kein Hydrantenstuhl, erstaunlich, wie schnell die Nachgeburt wieder rauskommt. Doch kaum sind wir zurück, geht sie wieder zu den Welpen und kuschelt sich relaxed um sie. Ich mache den Test mit dem Futter, ein Schälchen halte ich ihr vor die Nase, sie beginnt sofort gierig zu fressen. Mit dem Stetoskop forsche ich nach Herztönen, doch ich höre nur lautes Poltern der Därme. Jetzt bin ich schwer am Zweifeln und telefoniere mit erfahrenen Züchtern, denn eine Regel besagt auch, dass die Geburt (meist) abgeschlossen ist, sobald die Hündin wieder frisst. Doch man sagt mir, (was ich mir auch schon gedacht habe), dass es auch hier keine Regel ohne Ausnahme gibt. Da Judy aber topfit erscheint, beschließe ich nach Beratung erstmal abzuwarten.
15. Dezember 2003
Auch die nächsten Tage haben keine weiteren Welpen gebracht. Es bleibt bei zwei Wonneproppen, Caramba und Chango.
Hier möchte ich anmerken, dass ich mir das nicht gewagt hätte, wenn es meine erste Geburt gewesen wäre, sicherlich wäre ich dann bereits nach 2 Stunden Presswehen beim ersten Welpen schon zum Kaiserschnitt unterwegs gewesen. Auch bin ich froh, dass ich nicht im vorhinein wusste, dass es nur 2 Welpen sind, denn ich hätte mir sie noch größer ausgerechnet und wäre ziemlich sicher gewesen, dass das unmöglich auf natürlichem Weg gehen kann. Immer noch kann ich nicht fassen, dass alles auf natürlichem Wege ging, es war keine leichte Geburt, doch Mutter und Welpen sind gesund, ich bin unendlich danbar!
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